Kennzahlen in der IT Kennzahlen in der IT
Werkzeuge für Controlling und Management
2.überarb.+ erweiterter Aufl. 2007
Gebunden, 352 Seiten
42,00 EUR
Bestell-Nr. s10487













Unser Buchtipp: Kennzahlen in der IT

Kennzahlen und Kennzahlensysteme waren ein im Projektmanagement lange vernachlässigtes Thema. Noch vor zehn Jahren konnte man kaum Veröffentlichungen finden, die sich mit dem Gebiet beschäftigten. Eine gewisse Ausnahme machte allerdings schon relativ früh der IT-Bereich, in dem in den letzten Jahren auch die hauptsächliche Pionierarbeit geleistet wurde. Ganze Monografien, wie das vorliegende Werk, sind freilich immer noch relativ selten. Kütz beginnt sein Buch mit einem sehr umfangreichen, allgemeinen betriebswirtschaftlichen Teil. Hier werden sehr klar die Objekte des IT-Controlling herausgearbeitet, nämlich Projekte, Produkte und Leistungen, Prozesse, Ressourcen und ganze Organisationen. Auch die Rolle von Kennzahlen im Benchmarking wird geklärt. Schließlich werden auch Kosten und Nutzen von Kennzahlensystemen gegeneinander abgewogen. Der Verfasser zeigt hier, dass er die einschlägige Literatur sehr gut kennt, heute leider keine Selbstverständlichkeit mehr bei Autoren. An dieser Stelle vermisse ich allerdings eine deutliche Warnung vor unkritischer Anwendung von Kennzahlen. Die Praxis hat gezeigt, dass sie bei Mitarbeitern oft unerwünschte Anpassungsreaktionen hervorrufen können. Ein Beispiel: Die Kennzahl „Zahl der bis zum Zeitpunkt t entwickelten Leiterplatten/Zahl der insgesamt zu entwickelnden Leiterplatten“, die für die Projektfortschrittsmessung verwendet wurde, führte dazu, dass sich die Entwickler zunächst vor allem mit den leichter zu erarbeitenden Objekten befassten. Das verhinderte einen optimalen Ablauf des Projekts.

In einem weiteren allgemeinen Teil ohne Fehl und Tadel wird dann auf die Entwicklung von Kennzahlen eingegangen. Dabei werden auch die Anforderungen an Kennzahlen präzise formuliert. Dann wird es praktisch und IT-spezifisch. In dem Kapitel „IT-Kennzahlen in der Praxis“ wird über die Einführung berichtet. Für mich besonders interessant waren die Ausführungen über die Steuerung eines Service-Desks, das die Aufgabe hat, Benutzerprobleme möglichst schnell zu lösen. Ich bin überzeugt, dass auch andere Branchen aus diesen Darlegungen sehr viele Anregungen ziehen könnten. Weitere sehr informative Abschnitte sind die Kapitel „Benchmarking von Leistungsportfolios“, „Benchmarking von IT-Infrastruktur“, „Benchmarking von SAP-Diensten“ und „Einführung einer IT Balanced Scorecard“. Im Gegensatz zu vielen, mir zum Teil oft unverständlichen oder einfach zu vagen Ausführungen zu diesem zuletzt genannten Modethema findet man bei Kütz sehr konkrete Ratschläge.

Ein wenig überraschend kommt dann allerdings das Kapitel 4 „IT-Kennzahlen in der Literatur“. Überraschend deshalb, weil man es eigentlich am Anfang erwartet hätte. Allerdings bietet der Autor auch hier eine Fülle von wertvollen Informationen und schildert eingehend elf Kennzahlensysteme.

Am Schluss wird Bilanz gezogen und ein Kennzahlensystem für den Einsatz empfohlen. Dabei werden folgende Perspektiven oder Anwendungsbereiche unterschieden:

  • Finanzmanagement,
  • Kundenmanagement,
  • Prozessmanagement,
  • Produktmanagement,
  • Mitarbeitermanagement,
  • Lieferantenmanagement,
  • Innovationsmanagement,
  • Projektmanagement,
  • Multiprojektmanagement
  • Risikomanagement.
Die Vorschläge werden dann an einem Anwendungsbeispiel konkretisiert. Auch wenn sich der Leser gelegentlich durch die Fülle der Kennzahlen nahezu erschlagen fühlt und der Verdacht aufkeimt, dass hier eine Informationsüberfrachtung droht, die eigentlich ja durch Kennzahlen abgebaut werden soll, gehört die Publikation zur Pflichtlektüre aller, die sich mit der Einführung und dem laufenden Betrieb von Kennzahlensystemen befassen müssen.

Heinz Schelle (Chefredakteur projektMANAGEMENT aktuell)

Bestell-Nr.: s10487